Rampage 2024 - Its a wrap

Die raue Wüstenlandschaft von Virgin, Utah bot erneut eine spektakuläre Bühne für die Red Bull Rampage 2024 – Freeride-MTB-Athleten aus der ganzen Welt kamen zusammen und haben einmal mehr gezeigt, wieso sie zu den Besten der Besten gehören. Mit gleich drei Ridern aus dem Hause PROPAIN und der allerersten Rampage für Frauen hatte die diesjährige Episode so einiges zu bieten.

Bei diesem Event der Superlative müssen die Rider nicht nur ihr fahrerisches Können unter Beweis stellen, sondern auch ihre Kreativität und Ausdauer beim Bau ihrer eigenen Line zeigen. Wie bei jeder Rampage begann nach der Besichtigung der ‘Rampage-Zone’ das große Buddeln – unterstützt von ihren persönlichen Digging-Crews, formten die Athleten unermüdlich ihre Lines. Carson, kennt sich am diesjährigen Austragungsort bestens aus, da das Event bereits 2018 und 2019 hier stattfand. Für Cami und Clemens war das Gelände bisher unbekannt, doch das hielt sie nicht davon ab, atemberaubende Jumps und Drops für ihre Line zu bauen. Besonders Clemens brachte seine Trailbauerfahrung ein – kein Wunder, dass er mit seiner Firma CK Constructions auf vielen Bikefestivals so gefragt ist.

Im steilen und ausgesetzten Gelände zählt jeder Millimeter. Unsere Rider haben sich vor jedem Probelauf ihre Line ganz genau angeschaut und sind jeden Schritt im Kopf durchgegangen, denn selbst der kleinste Fehler kann hier zur Katastrophe führen – dies bekam Clemens im vergangenen Jahr bei seiner Rampage Premiere schon zu spüren.

Schon am ersten Trainingstag ging es für Cami, Clemens und Carson mit voller Konzentration an die ersten Big Hits. Mit ihren eigens designten Spindrifts meisterten sie das steile Terrain und stürzten sich in die Abfahrten. Carson, der bereits zum zehnten Mal bei diesem legendären Event antritt, zeigte eindrucksvoll, wie schmal der Grat zwischen Erfolg und Risiko ist: „Selbst die kleinsten Dinge können dir in diesem Terrain zum Verhängnis werden. Nach einem richtig starken ersten Test-Morgen mit einigen der größeren Sprünge, hat sich ein kleiner Übergang in meiner Line als Worst-Case-Szenario entpuppt, und ich wurde von einer kleinen Klippe geschleudert.“ Nach einem ersten Schock folgte glücklicherweise die Entwarnung, für Carson konnte es weitergehen.

Doch für Cami Nogueira kam alles anders. Auch sie musste im Training einen heftigen Crash verkraften. Nach einem riesigen Drop stürzte die Argentinierin mit massivem Tempo im Outrun und prallte frontal auf eine Erhebung. Schnell verbreiteten sich Videos dieses Horror-Sturzes in den sozialen Medien. Doch die Folgen waren, den Umständen entsprechend, glimpflich – mit Schürfwunden im Gesicht und einer gebrochenen Nase meldete sich Cami zurück und machte klar, dass sie keineswegs das Finale verpassen wollte und stieg wieder auf ihr Bike. Doch nach einem Ruhetag dann die ernüchternde Nachricht: Cami wird das Finale auslassen müssen. Hut ab vor dieser starken Frau, bei der nach diesem ersten Rampage-Auftritt nur eines zu sagen bleibt: „Respect the send!“

Und es kam noch dicker für das Propain-Team. Clemens bekam – wie auch schon im letzten Jahr – die Konsequenzen der Rampage voll zu spüren. Nachdem der Niederösterreicher in einem steilen Abschnitt mit dem Hinterrad auf einem Stein landete, verlor er die Kontrolle und wurde regelrecht von der Strecke geschleudert. Nach einem heftigen Aufprall in einer Kompression waren sofort Ersthelfer zur Stelle – schnell wurde klar, dass aufgrund der exponierten Lage ein Helikopter für den Abtransport notwendig ist. Im Krankenhaus folgte die Diagnose: eine luxierte Hüfte sowie mehrere kleinere Kompressionsfrakturen an den Wirbeln, doch glücklicherweise war keine Operation nötig. Aber Clemens wäre nicht Clemens, wenn er sich von solchen Stürzen unterkriegen lassen würde. Bereits wenige Tage nach dem Sturz meldete er sich auf Social Media zurück – mit einer Frage, die einmal mehr zeigt, aus welchem Holz diese besonderen Athleten geschnitzt sind: „How can I do better next time?“

Somit blieb nur Carson für das spektakuläre Finale – durch beeindruckende Testläufe ließ er auf einen weiteren Podiumsplatz wie im vergangenen Jahr hoffen.

Es wurde ernst: Letzte Einstellungen am Set-Up von Carsons Rampage-Bike am Morgen des Finaltags – von nun an gilt volle Konzentration.

Doch die Zuschauer mussten sich zunächst gedulden, bevor es zum großen Showdown kam. Raue Windböen fegten über die berüchtigten roten Felsen im Südwesten Utahs.

Nach langer Wartezeit war es endlich soweit. Mit einem beeindruckenden 360°-Sprung und einem spektakulären Flip wusste der US-Amerikaner Carson-like zu überzeugen und brachte einen starken ersten Run ins Ziel. 85 Punkte leuchteten auf der Anzeigetafel auf.

Doch für Carson sollte es nicht über den ersten Run hinausgehen. Weitere Windunterbrechungen sorgten für lange Verzögerungen, sodass nur sieben Rider für einen zweiten Run an den Start gingen. Schlussendlich belegte der US-Amerikaner einen soliden siebten Platz. Den Sieg holte sich mit einem Spektakel im zweiten Lauf der Kanadier Brandon Semenuk, der damit bereits seinen fünften Triumph bei der Rampage feierte. Im Starterfeld der Frauen setzte sich Robin Goomes vor Georgia Astle und Casey Brown durch. Der Contest der Frauen schrieb am Tag zuvor mit der ersten Rampage für Frauen Freeride-Geschichte und beeindruckte in allen Belangen. Das gesamte Starterfeld zeigte bei ihrer ersten Teilnahme atemberaubende Lines mit hohen Drops, Flips und steilen Chutes im Wüstenboden.

Doch trotz der dämpfenden Ereignisse in den Vorläufen ging das Propain-Team auch in diesem Jahr nicht mit leeren Händen nach Hause. Cami Nogueira wurde am Ende des Tages mit dem „Toughest Rider Award” gekrönt – und das mehr als verdient. Wir gratulieren allen Teilnehmern zu ihrer unglaublichen Leistung und wünschen all jenen, die gestürzt sind, eine schnelle Genesung!